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Die Marketenderin
( La Vivandière oder Markitenka)

Seit dem 12. Jahrhundert also dem Spätmittelalter war es üblich, das jedes Fähnlein der Landsknechte einen eigen Marketender (lat. mercatante = Händler, Kaufmann) hatte. Mit aufkommen der Söldnerheere gab es auch vermehrt Frauen die als Marketenderinnen dem Heer im Tross folgten.

Dies rührte daher, dass es denn Söldnern nicht verboten war zu heiraten und sie oft Frau und Kind mitnahmen die sich dann als Marketenderinnen verdingten. Marketender oder Marketenderinnen versorgten das Heer, als Händler und Händlerinnen, mit Lebensmittel, Tabak und Gebrauchsgegenständen. Doch gerade die „brave“ Marketenderin tat noch viel mehr, sie betreute die Soldaten im Lager, kochte, flickte Kleidung und kümmerte sich um viele Dinge des alltäglichen Lagerlebens. Doch besonders nahm sie sich der Kranken und Verwundeten an. Viele Soldaten verdankten nicht zuletzt der heilkundigen Pflege einer Marketenderin ihr Leben. Das Leben einer Marketenderin bestand also aus viel harter Arbeit und war immer in Gefahr, da auch der Tross nicht von Gefechten und Geschützfeuer verschont blieb.

Die Behauptung das Marketenderinnen sich ausschließlich als Prostituierte verdingten ist also grundlegend falsch. Natürlich gab es unter den Marketenderinnen schon immer Prostitution, dies belegt ein Reglement der k.k. österreichischem Infanterie von 1769, in dem es heißt "dass das lüderliche Weibsgesindel" in den Marketenderzelten keine Unterkunft finden sollte. Vermehrt trat diese Art der Marketenderinnen aber erst nach dem dreißigjährigem Krieg auf als die Heere sich vermehrt durch Plünderungen versorgten. Eine weitere dunkle und oft unerwähnte Tatsache ist die, dass der Tross, also auch die Marketenderinnen nach der Schlacht über das Schlachtfeld gingen um zu plündern und zu fleddern, denn Geld wurde auch hier immer gebraucht.

Erst im 19. Jahrhundert als das stehende Heer auch in Friedenszeiten bestand hatte und in Kasernen untergebracht wurde verschwand durch strenge Reglements das Bild der Marketenderin aus dem Militärwesen.

Wir die Marketenderinnen des Régiments La Sarre wollen mit unserer Darstellung geschichtsinteressierten Menschen das Leben einer „braven“ Marketenderin, in den Wirren des Krieges und in einer rauen Männerwelt, zeigen um an diese tapferen Frauen zu erinnern.

Lied der Marketenderin
von Heinrich Heine (1797-1856), entstanden zwischen 1845-1856

Und die Husaren lieb ich sehr,
Ich liebe sehr dieselben;
Ich liebe sie ohne Unterschied,
Die blauen und die gelben.

Und die Musketiere lieb ich sehr,
Ich liebe die Musketiere,
Sowohl Rekrut als Veteran,
Gemeine und Offiziere.

Die Kavallerie und die Infanterie,
Ich liebe sie alle, die Braven;
Auch hab ich bei der Artillerie
Gar manche Nacht geschlummert.

Ich liebe den Deutschen, ich lieb den Franzos,
Die Welschen und Niederländischen,
Ich liebe den Schwed, den Böhm und Spanjol,
Ich liebe in ihnen den Menschen.

Gleichviel von welcher Heimat, gleichviel
Von welchem Glaubensbund ist
Der Mensch, er ist mir lieb und wert,
Wenn nur der Mensch gesund ist.

Das Vaterland und die Religion,
Das sind nur Kleidungsstücke -
Fort mit der Hülle! das ich ans Herz
Den nackten Menschen drücke.

Ich bin ein Mensch und der Menschlichkeit
Geb ich mich hin mit Freude;
Und wer nicht gleich bezahlen kann,
Für den hab ich die Kreide.

Der Grüne Kranz vor meinem Zelt,
Der lacht im Licht der Sonne;
Und heute schenk ich Malvasier
Aus einer frischen Tonne.